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Frühmodernes, industrielles Bauen am Beispiel
Jean Prouvé and Konrad Wachsmann

 

Nils Peters

 

 

Durch die Recherche und die Vertiefung der Thematik des Lebenswerks
Jean Prouvés habe ich mich im erweiterten Umfeld mit dem vorgefertigten
Bauen in der Frühphase der Moderne befasst. Durch einen direkten
Kontakt zu der Witwe Konrad Wachsmanns und der Zusammenarbeit

mit Catherine Prouvé, Stiftung Jean Prouvé, habe ich
im Rahmen der Einstein Initiative in Caputh und der FH Kärnten
anhand der Betrachtung der beiden Lebensviten den Beginn industriellen
Bauens nachvollzogen und anhand der Etymologie des Begriffs “Moderne” das
Werk Prouvés und Wachsmanns versucht neu zu beleuchten.

Die Radikalisierung der Moderne durch die Überzeichnung des akademisch
initiierten Fertigbaus durch Konrad Wachsmann und die Dehnung
der technischen Möglichkeiten der Produktionsstätten Jean Prouvés und der
damit einhergehenden Abwendung vom gestaltenden Charakter des Raum-
schaffens, liefert eine neue Möglichkeit der Wortdeutung des Begriffs Moderne.

Die Moderne wurde durch die Zyklentheorie der Kulturentwicklung
(Biondi, Buck u.a.) in eine Begriffsentstehung eingeordnet. Die wieder-
kehrende Hinwendung zum humanistischen Ideal (”neo-Klassik”) und die
notwendig damit einhergehenden Kritk an den vor- oder nachfolgenden
mystisch geprägten Gegenbewegungen (”neo-Gotik”) kann nur ungenau
den Begriff der “Moderne” in seiner Entstehung definieren.
Gerade die Entstammung der Moderne aus den klassischen oder humanen
Kulturphasen deutet sprachlich auf eine Haltung der Rückbesinnung,
wenn nicht sogar auf eine kulturell konservative Haltung hin.
(Re-Naissance als Beispiel einer klassischen Rück-Besinnung und nicht einer
pro-gressiven Haltung) Dieses steht im Gegensatz zum Selbstbild der
Moderne.
Die Frage nach der gezielten Entwicklung zum architektonischen Nullpunkt
der “klassischen” Epochen, der radikalen Moderne, wird so nicht zu einem klar
umrissenen Ende dieses Prozesses, sondern läßt eine neue (ästhetische) Definiton
zu. Malewitsch “Schwarzes Quadrat” steht hier als Beispiel einer “Supermoder-
nität mit zutiefst antimodernistischen Affekten.” (Sokratis Georgiadis)
 
Vor diesem sprachlich-symiotischen Hintergrund, der Abwendung architekto-
nischer Raum- und Stilbildung und einer ungewollten, anti-modernen Ästhetisierung
erscheint das Werk der beiden Architekten als Projektionsfläche neuer Interpre-
tationsmöglichkeiten.